Donnerstag, 23. Mai 2019

Desinformation – eine schleichende Krankheit an der die Demokratie zu Grunde gehen könnte

Die Europawahl steht vor der Tür. Eine richtungsweisende Wahl, die das Gesicht Europas dauerhaft verändern könnte. Hin zum Guten, zu einem Europa der Freiheit, der Gleichheit und des Respekts voreinander. Das sich aktiv in den Klimaschutz einbringt, seinen Bürgern Sicherheit, Wohlstand und geordnete Verhältnisse bieten kann. Das bereit ist, Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit, Schuldenkrisen und Ähnliches anzugehen und gemeinsam diese zu meistern.
Die Alternative ist ein Europa, das von Nationalisten, von Fanatikern und Klimawandelleugnern geführt und geleitet wird. Das sich selbst seiner größten Chance – der Chance auf Einigkeit – berauben könnte. Dabei ist genau dieses Szenario gar nicht so unwahrscheinlich. Doch, wie konnte es innerhalb kürzester Zeit so weit kommen, dass Parteien, die in ihren eigenen Länderparlamenten oftmals nur eine untergeordnete oder sogar gar keine Rolle spielen, auf einmal in einer Wahl wie der Europawahl die Umfragen in den jeweiligen Ländern anführen?

Desinformation – eine Saat, die leider oft auf fruchtbaren Boden fällt


Es ist kein Geheimnis, dass viele Menschen moderne Politiker für weich, wenig volksnah und abgehoben halten. Die Regierenden, so denken manche, wollen nur ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Die Politik-Elite ist der „normalen“ Bevölkerung zunehmend entfremdet. Das führt dazu, dass plötzlich Politneulinge besonders interessant werden. Sie versprechen neuen Wind in den muffigen Parlamenten. Wenn sie dann noch mit Ideen daherkommen, die den Nerv vieler Menschen treffen, dann haben diese Menschen auf einmal große Chancen, ein wichtiges politisches Amt zu bekleiden.
Dafür braucht man heute noch nicht einmal mehr eine große Parteivergangenheit. Das beste Beispiel konnte man zuletzt bei den US-Präsidentschaftswahlen sehen: Einen Polit-Neuling, der mit seinen Twitter-Ergüssen die Menschen in den USA auf seine Seite zog und der mit dem Versprechen, alles anders zu machen und neuen Wind zu bringen, viele Stimmen fangen konnte. Trump war das genaue Gegenbild zu seiner Herausforderin Clinton, die für all das stand, was Politiker heute auszumachen scheint.
Aber schon im US-Wahlkampf gab es eine Macht, die schließlich die Wahl – da sind sich die amerikanischen Behörden heute einig – maßgeblich beeinflusst hat. Desinformation.

Was ist Desinformation überhaupt?


Als Desinformation bezeichnet man die gezielte Falschinformation von Menschen, um sie in eine gewisse politische Richtung oder in ein gewisses politisches Meinungsbild zu bewegen. Falschinformationen können dabei komplett erfunden sein – oder aber sie haben einen wahren Kern und es werden einfach wichtige Informationen weggelassen.
Dabei sind Desinformationen keine Erfindung unserer Zeit. Schon Adolf Hitler arbeitete mit gezielter Falschinformation, um seine Macht auszubauen und die Menschen mehrheitlich hinter sich zu scharen. Doch heute hat Desinformation neue Plattformen und damit eine viel größere Zuhörerschaft. Mit dem Internet ist es längst möglich jede Form der Desinformation weltweit innerhalb von Sekunden einem Millionenpublikum zugänglich zu machen.

Die halbwahren Desinformationen – die gefährlichste Art der Falschinfo


Viele Verbreiter von Desinformationen sind dabei so dreist, dass sie einfach Dinge erfinden und diese in die Welt setzen. Gerade diese Art der Desinformation kann man noch vergleichsweise leicht enttarnen. Wer sich die Mühe macht in einem solchen Fall einmal kurz nachzuforschen, wird schnell feststellen, dass es keinerlei seriöse Quellen für derartige Behauptungen gibt.
Viel größer ist die Gefahr, die hier von Halbwahrheiten ausgeht. Ein Beispiel: Nur wenige Tage, nachdem in Paris die Kirche Notre Dame in Flammen gestanden hatte, gab die französische Regierung bekannt, dass man über einen Wettbewerb Vorschläge von Architekten einholen wollte, wie man Notre Dame zeitgemäß wiederaufbauen könnte.
Ein Architekt schlug im Rahmen dieses Wettbewerbs vor, statt des Kirchenturms ein Minarett zu errichten und die Kirche so zumindest optisch zu einem Ort der Christen und der Muslime zu machen. Über die Sinnhaftigkeit dieser Idee lässt sich trefflich streiten – letztlich ist es aber nur eine Idee, die sich dem Wettbewerb mit wohl über tausend anderen Ideen wird, stellen müssen.
Entsprechende Falschmeldungen dazu kursierten schon kurze Zeit später durchs Internet. „Notre Dame soll mit einem Minarett wiederaufgebaut werden“, hieß es da. Die anschließenden Artikel waren bis zum Rand gefüllt mit Hasspropaganda und halbwahren oder vollkommen erfundenen Anschuldigungen. Was hängen bleibt ist der Gedanke: Die Regierung will ein christliches Wahrzeichen mit einem Minarett wieder aufbauen lassen – eine Information die rechten Parteien unter denen, die ohnehin in diese Richtung tendieren sicherlich in Frankreich wieder einen deutlichen Zustrom verschafft haben wird.

Wie kann man sich gegen Desinformation schützen?

Desinformationen grassieren vor allem in sozialen Medien und sogenannten alternativen Informationsportalen. Sich selbst schützen kann man vor allem, indem man fünf Schritte befolgt.

  1. Informieren Sie sich
    Sie sollten nichts was Sie lesen einfach als gegeben hinnehmen. Vor allem dann nicht, wenn es nicht aus einer renommierten und seriösen Quelle stammt. Recherchieren Sie den Wahrheitsgehalt von News. Google bietet da beste Möglichkeiten.
  2. Unterstützen Sie echten Journalismus
    Blogger und freie Texter sind eine Bereicherung in der heutigen Zeit. Aber sie können auch eine Gefahr sein – nämlich dann, wenn sie Desinformationen verbreiten. Bei der politischen Meinungsbildung macht es immer noch Sinn, sich nicht nur auf diese alternativen Informationskanäle zu verlassen, sondern zumindest zusätzlich auf echten Journalismus. Auch wenn es selbst in seriösen Verlagen schon Skandale mit hochgelobten Journalisten gab, die ihre Geschichten frei erfunden haben – dank der Selbstreinigungsprozesse der Branche, werden solche Fälle aufgedeckt. Ein Blogger kann schreiben was er will, wann er will. Eine Garantie für den Wahrheitsgehalt gibt es nicht.
  3. Vertrauen Sie der Demokratie
    Nutzen Sie Ihre Stimme. Denn das Ziel derjenigen, die mit Desinformationen arbeiten, ist es, so viele wie möglich zu überzeugen und die anderen mundtot zu machen. Sie können nicht verhindern, dass andere sich beeinflussen lassen. Aber Sie können verhindern, dass Ihre Stimme nicht mehr gehört wird.
  4. Glauben Sie an das Gute im Menschen
    Es gibt eine Menge Schlimmes auf der Welt? Das stimmt! Zuweilen auch direkt vor unserer Haustür? Auch das stimmt, leider. Aber auch in Deutschland gilt, dass jeder unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen wurde. Niemand sollte aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner Sexualität oder anderer Merkmale, die er hat, eher im Verdacht stehen, eine Straftat begangen zu haben. Wenn ein Feuer ein Unfall ist, dann ist es ein Unfall. Daraus einen Terrorakt zu machen, einfach weil dieser sich besser im Wahlkampf macht, zeugt von Menschenverachtung. Wer an das Gute im Menschen glaubt, wird sich bei einer nachvollziehbaren Erklärung, die ohne einen Schuldigen auskommt, auch damit zufriedengeben.
  5. Wenn Sie etwas sehen, machen Sie darauf aufmerksam
    Desinformationen müssen auch als solche gebrandmarkt werden. Um das zu erreichen hat das Netzwerk Avaaz eine Initiative ins Leben gerufen. Wer sich sicher ist, Desinformationen gefunden zu haben, kann diese hier melden und damit selbst einen Beitrag gegen Desinformation leisten.

Desinformation ist eine Krankheit des Informationszeitalters – gehen wir sie gemeinsam an

Niemals zuvor wurde die Menschheit so sehr von Desinformation heimgesucht, wie in diesem Jahrzehnt. Es ist eine Krankheit die, wenn sie nicht im Zaum gehalten wird, die Demokratie nachhaltig beschädigen könnte. Dass die Welt sich erheben musste, um einen Diktator zu stoppen, der unter anderem durch Desinformation an die Macht gekommen ist, haben wir in Deutschland bereits einmal leidvoll erleben müssen. Jeder einzelne muss heute dafür sorgen, dass sich eine solche Situation nicht wiederholen kann. Nicht in Deutschland – und schon gar nicht in ganz Europa.

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