Freitag, 8. März 2019

Internationaler Frauentag - der soundsovielte Beitrag zum Thema

Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle einen
Beitrag über den Weltfrauentag veröffentlicht. Anlass war, dass mir aus meinem Bekanntenkreis damals mehrere Menschen zu diesem Tag gratuliert hatten. Sie hatten das als positive Botschaft gemeint, das ist mir schon klar; ich habe das 2018 aber als zu wenig reflektiert eingeschätzt und das auch begründet.

Jetzt sind wir ein Jahr weiter. Der Gender Pay Gap hat etwas von einem Kindergeburtstag: Er kehrt jedes Jahr zuverlässig ins kollektive Bewusstsein zurück, ist aber nicht mal halb so lustig.
Was gibt's noch? Wir haben jetzt ein Bundesland, in dem der Frauentag zum arbeitsfreien Feiertag ausgerufen wird. Jubelt jetzt, ihr Frauen! In Russland ist das schon eine gefühlte Ewigkeit so: Die Frauen bekommen anlässlich "ihres" Tages Blumen und Geschenke. Das ähnelt dem Muttertagsprozedere: An einem Tag im Jahr wird ein Loblied gesungen, an den restlichen 364 wird der Schalter wieder auf Normalbetrieb umgelegt. Um noch mal auf Russland zurückzukommen: Hier will man die Gebärfähigkeit der Frauen schützen, indem man ihnen die Ausübung von über 450 Berufen einfach verbietet. Fernfahrerin oder Lokführerin gelten als schädliche Berufe. Dass Arbeitgeber, die eine Frau einstellen wollen, Mittel und Wege finden, dies zu tun, steht auf einem anderen Blatt.

Was auch aktuell diskutiert wird: die paritätische Besetzung von politischen Mandaten mit Männern und Frauen. Das könnte ein interessanter Ansatz sein, aber aufgrund der Erfahrung an anderer Stelle habe ich Zweifel, dass eine solche (gesetzliche) Regelung den von Frauen gewünschten Erfolg bringt. In Frankreich gibt es eine solche Vorgabe schon seit fast 20 Jahren mit dem Ergebnis, dass nicht nur Frauen auf die Wahllisten gesetzt wurden, die von vornherein keine Chance auf eine nennenswerte Stimmenzahl hatten und außerdem die Parteien lieber Strafzahlungen in Kauf nahmen, als sich ernsthaft um eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der aktiven Politik zu bemühen. Derzeit zahlen beispielsweise die Republikaner in jedem Jahr der aktuellen Legislaturperiode 1,8 Millionen Euro. Ein stolzer Betrag, der aber offenbar nicht genügt, um ernsthaft umzudenken.

Halt, kommt uns das nicht bekannt vor? Im Schwerbehindertenrecht gab und gibt es einen ganz ähnlichen Effekt: Im Jahr 2000 hat man die Pflicht-Beschäftigungsquote für Arbeitgeber gesenkt. Bis dahin mussten sie, sofern sie mindestens 16 Vollzeitarbeitsplätze hatten, eine Behinderten-Quote von 6 % erfüllen, ab 2000 betraf die Quotenregelung nur noch Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten, die Mindestquote reduzierte sich auf 5 %, eingehalten oder sogar überschritten wird sie nur vöm öffentlichen Dienst. Wer die Quote nicht erfüllt, zahlt eine sogenannte Ausgleichsabgabe. Sie beträgt pro Jahr und unbesetztem Pflichtarbeitsplatz zwischen 125 und 320 Euro - je nachdem, wie deutlich die Erfüllung der Quote verfehlt wurde. Der angestrebte Effekt wird noch dadurch verwässert, dass Arbeitgeber die Ausgleichsabgabe reduzieren, wenn sie Waren über eine Behindertenwerkstatt beziehen. Und ein letztes "Sahnehäubchen": Das Bundesverfassungsgericht stellte in seinem Beschluss vom 01. Oktober 2004 (Az. 1 BvR 2221/03) fest, dass die Ausgleichsabgabe steuerlich absetzbar ist. Applaus, Applaus!

Wo ist der Zusammenhang zwischen den Frauen und den Behinderten? Beide werden von der Mehrheit derer, die in der Politik und der Wirtschaft das Heft in der Hand halten, als Randgruppen empfunden, die ab und zu ein bisschen krakeelen und mit ein paar lauen Zugeständnissen zum Schweigen gebracht werden. Die Mehrheit sind natürlich: Männer. Im Bundestag sind nur 31,3 % der Sitze mit Frauen besetzt; es gibt keine Partei, die eine ausgewogene Geschlechterparität unter ihren Mitgliedern aufweisen kann. Die Grünen stehen mit einem Frauenanteil von knapp 40 % noch am besten da, die AfD mit 17 % am schlechtesten (Stand: 31.12.2017; Quelle: statista.de). 
Warum engagieren sich Frauen hier nicht in gleichem Maße wie Männer? Sind sie nicht selbst schuld, wenn sie auf diesem Gebiet zu kurz kommen? Ich vermute, dass es unter anderem an dem klassischen Rollenbild liegt, das bis heute in vielen Köpfen verankert ist, auch, weil es die eigenen Eltern vorgelebt haben. Aber das ist meine private Meinung, die lediglich auf meinen eigenen Beobachtungen und nicht auf Studien oder ähnlichem basiert.

Wer Lust hat, kann sich Gedanken darüber machen, was sich bis zum nächsten Internationalen Frauentag in einem Jahr zugunsten der Frauen geändert haben könnte. Mit Ausnahme der peinlichen Werbungen ist alles, was ich schon vor einem Jahr geschrieben habe, gleich geblieben. Wir lesen uns am 8. März 2020 zu diesem Thema wieder.
 

Kommentare:

  1. Ganz meine Meinung. Der Weltfrauentag ist auch wieder so ein Tag, in dem Mann der Frau eine Rose in den Putzkübel legen kann.
    LG
    Sabienes
    (Ich habe heute auch dazu gebloggt: https://frau-sabienes.de/weltfrauentag/ )

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Sabine, so ist es! Und Dein Ausspruch bringt es auf den Punkt. Danke für deinen Link, deinen Text werde ich sicher lesen.
    LG

    AntwortenLöschen