Montag, 18. März 2019

Equal Pay Day: Gibt es einen Grund zum Feiern?

Schon wieder ein Jahr vorbei. Heute ist Equal Pay
© Inga Haar
Day
, der Tag, an dem sich die Medien, die entsprechend engagierten Interessenverbände und alle, die sich irgendwie für "sozial" halten mit der (immer noch nicht geschlossenen) Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen beschäftigen. Der moderne Begriff für den geschlechtsabhängigen Einkommensunterschied heißt Gender Pay Gap. Klingt gleich ein wenig netter als 'Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern weil darum', oder?

Praktisch heißt das: Der deutsche Equal Pay Day hat kein festes Datum, sondern wird rechnerisch danach festgelegt, wie lange Frauen wegen des Gehaltsunterschieds im Vergleich zu Männern gratis arbeiten. Männer bekommen nach diesem Denkmodell ab dem 1. Januar eines jeden Jahres ihr Geld, Frauen in diesem Jahr eben erst ab heute, dem 18. März. Das war übrigens auch schon 2018 und 2017 so, innerhalb der vergangenen Dekade steht das Jahr 2010 aus Frauensicht am armseligsten da: Der Equal Pay Day fiel damals auf den 26. März, die Gehaltslücke war also noch größer als heute. 

Ihr Mit-Frauen: Sollen wir uns jetzt darüber freuen, dass sich der Aktionstag der Einkommensungerechtigkeit um acht Tage nach vorn verschoben hat? Sollten wir jetzt dankbar sein? Die Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern beträgt wie in den beiden letzten Jahren 21 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Interessant ist, dass die damalige Bundesregierung schon 2010 den guten Vorsatz hatte, diesen Abstand auf 10 Prozent zu verringern - und zwar bis 2020. Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses Ziel im nächsten Jahr erreicht werden wird? Diese lobenswerte Vorgabe steht im Ressortbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heute redet kein Mensch mehr über feste Zielvorgaben. In diesem Bericht wird zutreffend festgestellt, dass die Gehaltslücke zuungunsten der Frauen häufig dazu führt, dass sie es sind, die bei einer Familiengründung aus dem Berufsleben zumindest zeitweise aussteigen, was ihre Situation weiter verschlechtert. Die zuständige Ministerin war damals Dr. Kristina Schröder, die noch vor vier Tagen getwittert hat, dass Frauen aus feministischer Sicht das falsche Bewusstsein haben: "Sie wählen falsche Ausbildung, falschen Mann, falsche Steuerklasse." Die drei Meilensteine des weiblichen Niedergangs, wenn man Frau Schröder glauben darf? Die Wahl des Partners für eine Gehaltsungerechtigkeit verantwortlich zu machen, finde ich abenteuerlich und reichlich vermessen. Die falsche Steuerklasse hier heranzuziehen, ebenso.

Wo ich ihr unbedingt zustimme, ist bei der Wahl des Berufs. Anlässlich des Weltfrauentags 2018 hatte ich mir darüber einige Gedanken gemacht, die ich in diesem Beitrag deshalb nicht wiederholen muss. Ich weiß nicht, welche Entscheidungsmechanismen bei der Berufswahl von vielen jungen Frauen eine Rolle spielen, aber die Sicherung der finanziellen Zukunft scheint da zu oft hinten runter zu fallen.

2020 ist ein Schaltjahr. Wofür das eine Rolle spielt? An jedem 29. Februar findet ein anderer Aktionstag statt, bei dem es ebenfalls um ein Thema geht, das eine Schieflage im Leben von Frauen in den Mittelpunkt stellt: Der Equal Care Day macht darauf aufmerksam, dass die Aufteilung der sogenannten "Care-Arbeit" zwischen Frauen und Männern bei einer Quote von 4 : 1 liegt. Ihr habt noch nie davon gehört? Ich bislang auch nicht. Das mag daran liegen, dass es 2020 erst den zweiten Equal Care Day geben wird, aber auch daran, dass das Interesse in der Medienlandschaft nicht besonders hoch war - und ist. Ich nehme mir vor, daran ein winzig kleines bisschen zu ändern - hier, auf diesem Blog.

 

Kommentare:

  1. Nicht nur zwischen Männern und Frauen auch zwischen Normalos und behinderten. Wenn man bedenkt das die in der Studie ca. 1,70 verdienen.und auch 5 Tage 8 Stunden arbeiten.

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    1. Da hast du auf jeden Fall recht, aber beim Equal Pay Day wird nur der Einkommensinterschied zwischen Männern und Frauen verglichen. Du meinst sicher die Behinderten, die in den Werkstätten arbeiten. Was dort bezahlt wird, finde ich auch eine Unverschämtheit.

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