Freitag, 31. August 2018

Heimat - was ist das für Euch?

Ich sag's mal gleich vorweg: Von Heimat zu sprechen ist für sich genommen nichts Anrüchiges. Wenn ich von Deutschland als meiner Heimat spreche, dann bin ich nicht rechts, völkisch oder sonstwie ideologisch. Ich verbinde mit Heimat: Dort bin ich geboren und aufgewachsen, da kenne ich die Sitten und Gebräuche, man verständigt sich in meiner Muttersprache und ich fühle mich zu Hause. Zum Heimatgefühl gehören auch Erinnerungen, die mich begleiten, wo immer ich auch bin. Dieses Heimatgefühl ist sicher bei jedem anders, aber es hat nichts mit Deutschtümelei und schon gar nichts mit Ausgrenzung zu tun.

Ich sehe aber, dass es nun auch Ministerien gibt, die das Wort Heimat im Namen führen. Da beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Horst Seehofers Bundesinnenministerium ist zugleich auch für Heimat zuständig und soll sich in diesem Bereich u. a. um den gesellschaftlichen Zusammenhalt kümmern. Hat bislang nicht so wirklich geklappt, was auch an Herrn S. Vorstellung davon liegen mag. Den Drang, Bayern in den Mittelpunkt zu stellen, kann er wohl auch in Berlin nicht unterdrücken.
Schon länger gibt es das ministerielle Heimat-Kümmern in Bayern, wo der Schwerpunkt auf der Förderung des ländlichen Raums liegt. Ich dachte damals, als sich das bayerische Heimatministerium in Nürnberg niederließ: "Na ja, die Bayern wieder..."  Doch Nordrhein-Westfalen ist nachgezogen und legt seinen Fokus auf so an sich lobenswerte Eigenschaften wie Weltoffenheit, Verantwortungsgefühl, Gemeinsinn und Toleranz, die gefördert werden sollen. Warum ist für all das ein eigenes Heimat-Ressort nötig? 

Goethe hat genau das gesagt, was mein Gefühl zu diesem politischen Heimat-Trend widerspiegelt: "So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt." Genau. Ich will sagen können, dass Deutschland meine Heimat ist, ohne in den Verdacht zu geraten, in der rechten Ecke zu stehen. Dass Bundesregierung und Landesregierungen mit ihren Heimatministerien zu einem durchsichtigen Manöver greifen, empfinde ich als peinlich. Ich habe den Eindruck, dass dieser Begriff für die eigenen politischen Zwecke regelrecht gekapert wurde.

Kein Blogtext ohne ein oder zwei Fotos. Auf der Suche nach passenden Bildern unter dem Suchwort 'Heimat' habe ich ganz überwiegend Motive gefunden, die vor allem Beschaulichkeit vermitteln: Berge, gern auch mit einem Dorf, das von einer Kirchturmspitze dominiert wird; Seen, in deren Wasser das Sonnenlicht glitzert; mit Blumen bewachsene Fachwerkhäuser mit einem Bauerngarten davor, der von einem verwitterten Holzzaun begrenzt wird, an dem metallene Gießkannen hängen. Der Postkartenkitsch nimmt gar kein Ende. Demnach sähe Heimat aus wie an Orten, an denen die wenigsten von uns leben, nämlich nur ungefähr ein Viertel der deutschen Bevölkerung. 


© Inessa Podushko  / pixelio.de
Heimat ist nichts unbedingt Statisches. Sie kann sich im Laufe der Zeit wandeln; in den letzten fünf Jahrzehnten hat sich in Deutschland sehr viel verändert, trotzdem bleibt es meine Heimat. Vielleicht erkennt man auch irgendwann ein anderes Land oder eine andere Gegend als seine (neue) Heimat an. Der Begriff Heimat darf aber nicht dazu missbraucht werden, diskriminierende und völkische Vorstellungen mit ihm zu verknüpfen. Damit wurde schon vor knapp 150 Jahren im Zuge der Reichsgründung begonnen. Profitiert hat Deutschland davon nicht, ganz im Gegenteil.




Kommentare:

  1. Für mich ist Heimat auch der Ort bzw. die Region in der ich geboren und aufgewachsen bin. So sage ich auch immer: ich fahre in die Heimat bzw. ich fahre nach Hause. Das kann mein Mann nicht so wirklich verstehen, weil unser Zuhause ist über 300km von meiner Heimat entfernt. Doch für mich ist es immer wieder ein Nachhause kommen. Und so bleibt für mich meine Heimat auch immer mein Zuhause. Egal wie weit ich davon weg wohne und egal wie wohl ich mich an dem Ort fühle, an dem ich lebe.
    In Schleswig Holstein gibt es einen Heimantbund, der sich um Brauchtum, Kultur und Co kümmert. Als Jugendliche war ich lange aktiv in dem dazugehörigen Jugendverband. Ich finde Heimat etwas sehr wichtiges. Man braucht eine Heimat.
    LG Kerstin

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  2. Liebe Kerstin, darin sind wir uns absolut einig.
    LG, Ina

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