Mittwoch, 9. November 2016

And the winner is … Donald Trump oder: New World Order

Entgegen der bis zuletzt veröffentlichten Umfragewerte und Voraussagen von Demoskopen ist in dieser Nacht Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden – und hat damit die Welt in einen Zustand zwischen aufgeregter Ungewissheit und offener Panik versetzt. Niemand weiß, was der diplomatisch völlig unerfahrene Trump von seinen Wahlversprechen wirklich umsetzen will – oder umsetzen kann.
Die Liste seiner medial laut verkündeten Vorhaben im Falle einer Präsidentschaft ist lang, aber auch erschreckend: Da wurde eine Mauer zu Mexiko angeführt und die Immigranten aus den südamerikanischen Ländern pauschal als Verbrecher abgeurteilt, wissenschaftliche Erkenntnisse offen geleugnet (Stichwort Klimawandel); daneben versprach der Präsidentschaftsanwärter eine Abnahme der Sozialpolitik. Die unter Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung für alle („Obamacare“) soll ebenfalls abgeschafft werden, das Recht auf Abtreibung und die Homo-Ehe – eine Errungenschaft, die der Supreme Court bereits 2015 für legal erklärt hat [1]  – sollen ebenfalls ad acta gelegt werden. 

Faktisch ist damit ein offen fremdenfeindlicher und rassistischer, sexistischer, protektionistischer und durch und durch kapitalistisch geprägter Immobilienmogul zum Präsident der „Leading Nation“ geworden, die – ganz nebenbei bemerkt – die größte Militärmacht weltweit darstellt. Ach – da war ja auch noch was. Richtig: Trump hatte im Wahlkampf nämlich auch klargestellt, dass er den nuklearen Waffeneinsatz auch auf europäischem Boden nicht ausschließt [2].  

Außenpolitisch hat Trump bis zum Wahlabend auf ein erkennbares und durchschaubares Programm verzichtet – und im Gegenzug verstärkt auf die Innenpolitik gesetzt. Umfragen zufolge haben besonders weiße Männer mit unterdurchschnittlicher Bildung für Trump gestimmt: Damit hat sich der sogenannte „White Trash“ genau an den Leuten gerächt, die er für verantwortlich für die eigene Hoffnungslosigkeit hält. Am Politikklüngel, „denen da oben“ und vor allem: An den Reichen, den Machern, den Teilhabenden und denen, die den amerikanischen Traum Tag für Tag leben. Und genau hier zeigt sich die Kluft zwischen Realität und Wahrnehmung, denn auch Trump gehört eigentlich zum angeblich verhassten Establishment – allerdings als Drahtzieher und weniger als die von ihm oft kritisierten Politik-Marionetten. 

Nun zeigt er sich in der Rolle des Retters in der Not und verspricht vor allem den gebeutelten Stahlarbeitern und den sozial Abgehängten ein besseres Leben. Wie das gehen soll – besonders angesichts der maroden Wirtschaft und der Tatsache, dass auch ein republikanisch besetzter Senat ganz und gar nicht einheitlich hinter einem Präsidenten Trump steht – lässt er offen. 
Und so werden wir uns in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder fragen, ob Schlüsselpositionen nun von Models und willigen Schönheiten besetzt werden und ob die Jahre bis zur nächsten Wahl einfach nur verlorene Zeit sind. Der gesellschaftliche Wandel, auf den die Vereinigten Staaten so dringend angewiesen sind, wird zumindest unter einem Präsidenten Trump auf sich warten lassen. Dafür fehlt der Wille, alle miteinzubeziehen und dafür ist die Tendenz zur Ausgrenzung von Frauen, Migranten und allen, die sonst nicht in das Trump’sche Weltbild passen, einfach zu groß.

Kurz gefasst: Ein schwarzer Tag für die Wirtschaft, für die Umwelt, die Klimaverträge, die hart erkämpfte Gesundheitsreform und für alle die, die auf gesellschaftlich wichtige Impulse in den USA gehofft hatten. Die werden wohl auch noch weiter auf sich warten lassen …