Samstag, 7. Mai 2016

Eine Frau erst ab 10 Zentimetern?


Das Selbstverständnis von Frauen


Der Titel ist kein Grund, dass man/Mann sich in Erwartung eines „Emanzentextes“ schaudernd abwenden sollte. Mich beschäftigt aber seit einigen Tagen etwas, was ich in einer der zahllosen Gruppen erlebt habe, in die man bei Facebook eintreten und in denen man seine Meinung kundtun kann, wenn man sich nicht zurückhalten mag.



Wie ich in meinem ersten Beitrag Ich starte mit etwas Persönlichem für diesen Blog bereits geschrieben habe, bin ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe. Das gehört seit jeher zu meinem Leben und soll hier auch nicht mehr als nötig ausgewalzt werden. Passend zu meiner Einschränkung gibt es auch eine sehr große Facebook-Gruppe, die zu gefühlten 80 % aus Frauen besteht. Das ist nicht deshalb so, weil Frauen sich besonders gern über ihre Wehwehchen austauschen würden, sondern weil von dieser Erkrankung mit großer Mehrheit Frauen betroffen sind. So wie Prostatakrebs nun mal ein Männerthema ist.

Es geht hier um ein orthopädisches Problem, das je nach Ausprägung und Krankengeschichte mit einer OP im besten Fall behoben, aber doch zumindest gelindert werden kann. Wird es bei Säuglingen festgestellt, kommt man sogar ohne einen chirurgischen Eingriff aus.

Erwachsene merken, bevor sie sich zum Arztbesuch entschließen, dass ihr Gangbild schlechter wird und sie Schmerzen in der Hüfte oder den Beinen während des Gehens oder Stehens haben. Kommt es dann zu einer Operation, geht auch das nicht ohne Schmerzen und wochenlange Krankenhaus- und Rehaklinikaufenthalte über die Bühne. Das muss man wissen.

Macht der Schuh die Frau?

 

Klingt bescheuert? Das dachte ich bis vor einer Woche auch. Da hat nämlich eine Frau aus eben dieser Gruppe gefragt: „ Ich hatte meine OP vor xy Wochen. Wisst ihr, wann ich wieder hohe Schuhe tragen kann?“ Als ich ihr wegen der Sturzgefahr geraten habe, darauf ganz zu verzichten, war es mit der Sachlichkeit vorbei: Stellvertretend für die allermeisten anderen Reaktionen ist der Kommentar „Wir sind Frauen und trotz der Erkrankung und OPs sollten wir auch mal was für uns tun“ gefallen. Ist das so? Definieren sich Frauen vor allem über ihr Äußeres? Tun sie das ernsthaft über die Höhe ihrer Absätze?

Dieser Umstand, dass erwachsene Frauen den Verstand über Bord werfen, um so auszusehen, wie sie glauben, dass eine Frau aussehen sollte, macht mich sprachlos. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese Frau mit geschätzt Mitte 20 ungefähr halb so alt ist wie ich. Zustimmung bekam ich nur von einer Frau, die etwa in meinem Alter ist und weiß, welche Komplikationen die Erkrankung mit sich bringen kann. Geht es in dieser jüngeren Generation so viel mehr um das Äußere als in meiner? Muss man sich da benehmen wie Susi Sorglos?
 
Ich bin an dieser Stelle wirklich gespannt auf eure Reaktionen, sowohl von Frauen als auch von Männern: Was macht eine Frau aus? Und ist das Outfit so wichtig, dass man dafür seine Gesundheit riskiert?

Foto: Uli Carthäuser/pixelio