Montag, 21. September 2015

Atomwirtschaft – ein Schrecken ohne Ende

Dass die Erzeugung von Strom mittels Atomenergie der falsche Weg ist, zeigte sich den verantwortlichen Akteuren in der Politik leider erst nach einer sehr langen Zeit. Gewusst haben die Politiker schon immer, dass die Menschen vor den Folgen Angst haben. Während die ersten zwei Atomkraftwerke in Rheinsberg und Gundremmingen noch Atomkraftwerke geheißen haben, nannte man die folgenden Kraftwerke Kernkraftwerke. Zu sehr war das Wort Atom durch die nukleare Aufrüstung des Kalten Krieges negativ besetzt. Dem Volk erzählte man, dass man mit Kernkraft ganz toll billigen Strom erzeugen könne und die Kraftwerke sicher seien. Wer sich nicht dafür interessierte, hat wahrscheinlich den Kopf darüber geschüttelt, dass Atomkraftgegner auf die Straße gingen und ihrem Ärger Luft machten.
Das zum Beispiel Plutonium-239, der am häufigsten anfallende Atommüll, seine Halbwertzeit erst nach Tausenden Jahren erreicht, hat man dem Volk verschwiegen. Mir ist bewusst, dass Plutonium-239 nur ein Teil der Probleme ist, jedoch möchte ich mich den einzelnen Bestandteilen des Atommülls auch gar nicht weiter widmen. Wie gefährlich die radioaktiven Abfälle im Einzelnen sind, lässt sich auf der Website www.bund-rvso.de nachlesen.



Billiger Strom - Teurer Müll

Dass der radioaktive Abfall eines Atomkraftwerks noch nach Jahrzehnten eine Gefahr für Mensch und Natur ist, wurde in Kauf genommen. Interessant ist, dass viele Verbraucher den billigen Strom aus der Steckdose gern nutzten, gegen ein Endlager jedoch lauthals protestieren. Geändert hat dies alles nichts daran, dass im Jahre 2010 noch ein Atomkompromiss zwischen der schwarz-gelben Regierung und den Energiekonzernen ausgehandelt wurde. Die Vereinbarungen zwischen der Atomlobby und der Politik waren so geheim, dass man in der Presse von einem Geheimvertrag sprach. Fakt ist jedenfalls, dass die gewählten Vertreter des Volkes zu Verrätern wurden, als sie die Interessen der Energiekonzerne gegen das Gemeinwohl aufwogen.


Notbremse, auch Kehrtwende genannt

Die Katastrophe in Tschernobyl war offensichtlich noch nicht ausreichend, um eine Kehrtwende in der Energiepolitik zu erzeugen. Zu interessant waren die Gewinne für die Konzerne und der billige Strom. Da brauchten wir alle erst Fukushima, bevor die Akzeptanz der Atomwirtschaft zumindest in Deutschland auf einen Nullpunkt sank. 
Wahrscheinlich lag es auch am Superwahljahr 2011, dass die Nuklearkatastrophe in Fukushima auch politische Auswirkungen hatte. Dem Wähler war nicht mehr zu vermitteln, dass Atomkraft sicher sei und da half es auch nichts mehr, das Atomkraftwerk als Kernkraftwerk zu bezeichnen. Zumindest war der Druck der Öffentlichkeit selbst auf wirtschaftsnahen politischen Parteien so stark, dass man ziemlich überstürzt einen Atomausstieg veranlasste.


Wer Dreck macht, muss ihn wegräumen?

Bis dahin glaubten wir Wähler noch, dass die Atomwirtschaft nicht nur die Atomkraftwerke abschaltet, sondern auch den Atommüll beseitigt. Weit gefehlt! Die intensive Lobbyarbeit läuft noch immer, nahezu vom Wähler kaum wahrgenommen. Es ist absurd, dass man die Energiekonzerne um jeden Cent feilschen lässt, den der Ausstieg kostet. Da stellen sich einem doch die Nackenhaare auf, wenn man sich vorstellt, dass der Steuerzahler nun auch dafür geradestehen soll, dass die Atomwirtschaft schmutzigen Strom produziert hat.


Rücklagen für die Entsorgung

Was haben wir eigentlich von einem Atomgesetz, in dessen § 21geschrieben steht, das der Verursacher radioaktiver Abfälle auch für deren Beseitigung geradezustehen hat? Man versuchte uns glauben zu machen, dass die 35,8 Milliarden Euro Rücklagen der Atomwirtschaft ausreichen würden, um den Müll zu entsorgen. Dass die Rücklagen zum Teil in Kraftwerksbeteiligungen gebunden sind, erzählte man dem Volk nicht.

Das Volk zahlt für seinen Dreck ganz brav Gebühren. Sei es für Müllgebühr oder Abwasser, Abfall kostet Geld. Wer Abfall produziert bezahlt.

Logisch oder?
Logisch schon, aber nicht für Kreise, die sich durch Lobbyisten vertreten lassen können. Die haben nämlich dafür gesorgt, dass zum Beispiel bei einer Umfirmierung eine Haftungsbegrenzung von 5 Jahren eintritt und der Steuerzahler die Zeche zahlt. Betrachten wir die Börsenwerte der Energiekonzerne, sehen wir, was die Rücklagen wert sind. Ginge ein Energiekonzern in die Insolvenz, sind die Rücklagen verloren.


Die armen Energieriesen

Die Konzerne haben seit der Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Atomkraftwerks im Jahr 1961 kräftig Kasse gemacht. Nun klagen Sie in zwischenzeitlich über 30 Verfahren gegen bestimmte Teile des Atomausstiegs, was unter Umständen bedeuten kann, dass den Firmen Schadenersatzsummen in Milliardenhöhen zugesprochen werden. Offenbar ist die Zuneigung der politischen Vertreter gegenüber der Atomlobby noch so groß, dass man weiterhin vor sich hin mauschelt. 
Wie sonst kommt man auf die Idee, dass man eine Bad Bank gründen könne, um dort die Rückstellungen einzubringen? Man hält uns alle wahrscheinlich für völlig dumm. Es liegt doch auf der Hand, dass sich die Atomindustrie von den sehr wahrscheinlichen Mehrkosten befreien und gleichzeitig durch die Hintertür die Kontrolle über die Gelder behalten kann. 
Im Grunde diskutieren die Lobbyisten mit den Politikern ohnehin nur daher, weil verschiedene Gruppierungen die Einrichtung eines staatlichen Fonds fordern. Hier geht es aber um die Schaffung einer Möglichkeit, über die Rückstellungen hinaus die Konzerne zur Kasse bitten zu können. Was die Hinterlassenschaft des Atomzeitalters wirklich kosten wird, kann ohnehin niemand vorhersagen.


Danke E.ON!!!

Das wird es doch tatsächlich fast eine Schlagzeile, dass E.ON seine Atomkraftwerke nicht in eine neue Firma auslagert. Sinn der Sache ist klar: Neue Firma gründen, Risiken dort hinein packen und pleitegehen! Tolle Idee!


Atomwirtschaft, die Nummer 1

Dass die Energiekonzerne weder ausreichend in den Ausbau von Überlandleitungen zum Energietransport investierten noch einen Plan haben, wie sie Ihren Müll entsorgen, darf uns zu denken geben. Da will man dem Verbraucher einreden, dass die Verantwortlichen für den Leitungsbau in eigenständigen Unternehmen sitzen. Ja schon, aber auch diese werden letztlich durch die Stromkonzerne kontrolliert. Da drängt sich der Verdacht nahezu auf, dass der Ausbau regenerativer Energien absichtlich behindert wurde, um dem Atomstrom den Rücken zu stärken.


Fremdvergleich

Ich bin verpflichtet eine Autoversicherung abzuschließen, damit nicht Dritte unter den finanziellen Folgen eines durch mich verursachten Unfalls leiden. Mir wird sowohl als Privatperson als auch Selbstständiger dringend angeraten, jeweils eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Ja geht’s noch? Warum haben sich die Energieerzeuger nicht abgesichert, bevor sie ihren Dreck erzeugten? Weil Sie größer sind? Weil Sie klüger sind? Oder, weil sie einfach nur gut in der Politik vernetzt sind?


Ein Lichtblick 

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will die Fünfjahresfrist abschaffen. Da haben ihm ein paar offenbar unabhängige Gutachter erläutert, dass durchaus das Risiko besteht, dass die Müllentsorgung der Steuerzahler bezahlt. Ganz am Rande gibt es ja noch den Koalitionsausschuss vom 01. Juli 2015. Hier heißt es, dass die Kosten für Stilllegung, Rückbau, Zwischen- und Endlagerung dem Grundsatz nach von den Verursachern getragen werden. Seien wir doch mal gespannt darauf, was ein „dem Grundsatz“ nach, in der Praxis bedeutet.


Kommentare:

  1. Dies ist ein wichtiges Dauerbrenner-Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

    Als Chemikerin habe ich wohl eine weitaus positivere Einstellung zu Atomen (was nicht zwingend für die Atomkraft bzw. Kernkraft gilt!) als die Durchschnittsbevölkerung, Nicht nur deshalb halte ich den "Ersatzbegriff" Kernkraft letztlich für passender als "Atomkraft": Dabei geht es schliesslich um die Gewinnung von Energie durch die Spaltung von Atom_kernen_, während mit ganzen Atomen noch ganz andere Sachen möglich sind (zynisch ausgedrückt könnte man ein klassisches Kohlekraftwerk als "Atomkraftwerk" bezeichnen: Da wird nämlich Energie aus einer chemischen Reaktion, der Umgruppierung von Atomen, gewonnen).

    Gleich ins Auge gefallen ist mir aber ein Schnitzer gleich im ersten Absatz: Der am "häufigsten", d.h. in der grössten Menge anfallende "Atommüll" sind (schnell auf Wikipedia nachgeschlagen, scheint mir aber auch plausibel) Spaltprodukte, d.h. die Atomkern-Trümmer, die bei der Kernspaltung übrig bleiben. Das spaltbare und damit waffenfähige Plutonium-239 lässt man nicht in unnötig grossen Mengen anfallen, um einem Missbrauch vorzubeugen. Stattdessen kann es seinerseits als Kern-Brennstoff dienen oder im Reaktor zu Plutonium-240 und noch schwereren Isotopen weiter*erbrütet" werden. Die Plutonium-Isotope sind neben den Uran-Isotopen in der Atommüll-Frage deshalb so populär, weil sie mit ihren langen Halbwertszeiten (d.h. der langen Zeit, die es dauert, bis sie nicht mehr strahlen) für Kopfzerbrechen bei der Endlagerung sorgen.

    Ganz allgemein und besonders bei solch kontroversen Themen bin ich als Naturwissenschaftlerin immer neugierig auf die Herkunft von Daten und Informationen. So würde ein Link zur Quelle hier und da einem solchen Artikel noch mehr Substanz verleihen :).

    Viele Grüsse,
    Kathi von Keinsteins Kiste

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  2. Hallo Kathi,
    vielen Dank für die Hinweise.
    Es mag sein, dass ich den Atommüll nicht eindeutig beziffern konnte, aber ich bin auch kein Kernspaltungsprofi. Dieser Fakt basiert insoweit auf meinem (Halb)Wissen. Mir geht es eher um den Aspekt, dass nun der Verbraucher den Rückbau der Kernkraftwerke und die Entsorgung des strahlenden Mülls bezahlen soll, während die Atomwirtschaft Jahrzehnte eine Unmenge Geld mit Atomstrom verdiente.
    Viele Grüße
    Frank

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  3. Nicht ganz so detalliert, eben meine Sicht dazu https://p-adler.de/energiewende/

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